Premiere für Aarsleff

Euskirchen: Auf einer Länge von rund 96 Metern über zwei Haltungen wurde ein Glasfaserliner mit Eiprofil 1200/1800 erfolgreich eingezogen.

Mit dem Einbau eines Schlauchliners in ungewöhnlich großer Dimension konnte Aarsleff in Euskirchen überzeugen: Auf einer Länge von rund 96 Metern über zwei Haltungen wurde ein Glasfaserliner mit Eiprofil 1200/1800 erfolgreich eingezogen. Das Schwergewicht brachte immerhin fast 15 Tonnen auf die Waage. Der zwischen Herz-Jesu-Kirche und dem Veybach liegende Mischwasserkanal aus Beton wies starke Inkrustationen und Undichtigkeiten auf, die eine Sanierung erforderlich machten. Im Auftrag der Kreisstadt Euskirchen wurde die Maßnahme durchgeführt. Für die Planungen und die örtliche Bauüberwachung war die Ingenieurgesellschaft T U T T A H S & M E Y E R aus Aachen zuständig.

Groß und schwer

Der Mischwasserkanal, der unter der Straße Gansweide in Euskirchen verläuft, hatte aufgrund des parallel verlaufenden Veybaches sehr viele Undichtigkeiten, die zu starken Inkrustationen führten. Zusätzlich infiltrierte drückendes Grundwasser in den Kanal. Da über die Gansweide die Zufahrt zu einem Parkhaus und ein Großteil des Lieferverkehrs für die Innenstadt erfolgt, war ein Neubau des Kanals nicht möglich. Daher entschied sich die Kreisstadt Euskirchen, den Kanal sanieren zu lassen und so die Infiltration von Grundwasser und damit weitere Schädigungen künftig zu verhindern. „Eine Vorgabe war, dass der Kanalquerschnitt bei der Renovierung erhalten bleiben sollte“, so Dipl.-Ing. Hartmut Beckert von der Ingenieurgesellschaft T U T T A H S & M E Y E R. Daher habe man sich bei der Wahl des Sanierungsverfahrens für das Schlauchlining entschieden, bei dem ein mit Harz imprägnierter und aus Glasfasergewebe hergestellter Schlauch in den Kanal eingezogen, mit Druckluft aufgestellt und anschließend ausgehärtet wird. So entstehe ein statisch tragfähiges und dichtes Rohr-im-Rohr-System. „Die leichte Querschnittsreduzierung, die dieses Verfahren mit sich bringt, war aus planungstechnischer Sicht in diesem Fall vertretbar“, so Beckert weiter. Konkret kam bei der Renovierung in Euskirchen ein Glasfaserliner „Impreg G 16“ zum Einsatz, dessen Aushärtung mit UV-Licht erfolgte. Interessant und beachtlich war die Dimension: Der Schlauchliner mit einem Eiprofil 1200/1800, einer Wanddicke von 14,6 mm und einer Länge von rund 96 Metern hatte inklusive seiner Transportkiste das stolze Gewicht von 15 Tonnen. „Die Größe dieses Liners war schon einmalig. So ein großes Eiprofil hat Aarsleff noch nicht verbaut“, unterstreicht B. Eng. Christina Krüger, Bauleiterin von Aarsleff Rohrsanierung, Niederlassung Köln/Bonn. „Deswegen war diese Situation für uns alle sehr spannend, ebenso wie für die beteiligten gewerblichen Mitarbeiter “, so Krüger weiter. Dipl.-Ing. Jürgen Conrad, Fachbereich 8 Tiefbau und Verkehr, Sachgebiet Stadtentwässerung der Kreisstadt Euskirchen stimmt dem zu: „Wir haben in Euskirchen schon verschiedene Schlauchlinersanierungen vorgenommen. Das Verfahren an sich war nicht neu für uns, aber in der Dimension und dann auch noch mit Lichthärtung war das schon was außergewöhnliches.“

Gute Vorarbeit ist die halbe Sanierung

Bevor der Einzug des Schlauchliners starten konnte, mussten die starken Inkrustationen entfernt und die Undichtigkeiten mit PU-Schaum verpresst werden. Dabei zeigte sich dann auch, wie die Grundwassersituation genau beschaffen war: „Die Grundwasserstände ließen sich im Vorfeld nicht exakt vorhersagen, da die Grundwassermessstellen um den Sanierungsbereich starke Wasserspiegelunterschiede aufweisen“, so Beckert. Erst als man die Ablagerungen beseitigt habe und überall Grundwasser infiltrierte, sei klar gewesen, dass der Grundwasserstand letztendlich höher war als zunächst angenommen. Die Vorarbeiten wurden von den Kollegen der Handsanierung von Aarsleff einige Wochen vor dem Einzug des Liners fachgerecht durchgeführt. Und laut Krüger haben die Jungs einen super Job gemacht: „Vor dem Einzug des Liners sind wir noch einmal durch den Kanal gegangen, um zu sehen, ob neue Undichtigkeiten entstanden sind.“ Das sei wichtig zu wissen, da die Gefahr der Verseifung bestehe, wenn das imprägnierte Glasfasergewebe vor oder während der Aushärtung mit Wasser in Berührung kommt. Dann käme es zu einer Delaminierung und der Liner wäre im ausgehärteten Zustand an dieser Stelle schadhaft und unter Umständen nicht mehr dicht. „Aber es war alles so, wie es sein sollte“, so Krüger weiter. Da es theoretisch beim Einzug in den Mischwasserkanal oder beim Aufstellen des Liners mit Druckluft doch noch zu Undichtigkeiten hätte kommen können, wurde der Liner mit einem zusätzlichen Außenschutz in Form eines robusten, verstärkten Gewebeschlauches gefertigt. Diese zusätzliche Schutzmaßnahme sollte das Risiko einer Verseifung minimieren. „Das war eine unkomplizierte Lösung“, betont Conrad. Hier haben alle Beteiligte schnell und professionell auf die Grundwassersituation reagiert.

Zu den weiteren Vorarbeiten gehörte auch die Vorbereitung des Schachtes, durch den der Glasfaserliner eingezogen werden sollte. Nachdem Entfernen des Konus musste die lichte Öffnung in der 35 cm dicken Stahlbetonschachtdecke von 1 m Durchmesser auf 1,30 m vergrößert werden. Diese Arbeit übernahm ein Tiefbauunternehmen, der auch nach Abschluss der Sanierungsmaßnahme den Schacht wieder ordnungsgemäß herstellte. Um den Mischwasserkanal während des Einzugs wasserfrei zu halten, installierte man eine oberirdische Wasserhaltung auf einer Länge von gut 160 m als Bypass, durch die das Abwasser gepumpt wurde. Die innerhalb des zu sanierenden Abschnittes befindlichen 14 Anschlüsse wurden kurz vor dem Einzug für die Dauer der Sanierung abgesperrt und die Abwässer in den Anschlussleitungen nach Rücksprache mit den Anwohnern zurückgestaut.

In 18 Stunden zum Ziel

Der Schlauchliner kam pünktlich morgens um 7 Uhr auf der Baustelle an. Auf Grund seiner Dimension und des Gewichts zogen die Mitarbeiter der UV-Anlage diesen direkt aus dem Lkw heraus über ein sogenanntes Faltförderband und mit Hilfe einer Seilwinde in den Kanal ein. Die Seilwinde befand sich dabei am Anfang des Sanierungsabschnittes, wodurch der Einzug entgegen der Fließrichtung erfolgte. Ferner musste darauf geachtet werden, dass der Liner bis zum Beginn der Aushärtung innerhalb eines bestimmten Temperaturbereiches gelagert wurde. „Das lag an dem Peroxid, das dem Harz des Liners zugesetzt war“, erklärt Krüger. Das Peroxid dient als zusätzlicher Initiator bei der Aushärtung, sodass auch höhere Wanddicken vollständig durchgehärtet werden. Und mit einem Lächeln fügt Krüger hinzu: „Da wir die Sanierung im Winter durchgeführt haben, hatten wir aber eher die Sorge, dass die untere Temperaturgrenze für den Liner nicht unterschritten wurde.“ Die Aushärtung mit UV-Licht musste anschließend sehr langsam erfolgen. Der mit den UV-Strahlern bestückte Jumbokern wurde mit 20 cm pro Minute durch den aufgestellten Liner gezogen. So hat alleine die Aushärtung rund 8 Stunden Zeit in Anspruch genommen.

Fertig eingebaut und ausgehärtet war der Schlauchliner dann insgesamt 18 Stunden später mitten in der Nacht. „Direkt im Anschluss daran rückte unsere Kolonne Schachtsanierung an, um die 14 Anschlüsse an den sanierten Kanal wieder einzubinden“ erläutert die junge Bauleiterin. So konnte die komplette Sanierung innerhalb einer Woche erfolgreich abgeschlossen werden. Und das Resultat kann sich sehen lassen: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, so Beckert. „Der Liner liegt gut an der Kanalwandung an und die Schachtanbindungen wurden sehr gut von Aarsleff ausgeführt.“ Auch Conrad bewertet den Einbau des Liners als sehr gelungen und sieht den Grund dafür nicht zuletzt in der guten Zusammenarbeit des Teams: „Die ganze Sanierung hat super funktioniert. Wie gut aufeinander abgestimmte Zahnräder, haben alle Hand in Hand gearbeitet und so zu dem überzeugenden Endergebnis beigetragen.“